Ältere Geschichte
Achern wird erstmals im Schenkungsbuch des Klosters Hirsau erwähnt (Codex Hirsaugiensis). Da dieses Schenkungsbuch erst im 16. Jh. angelegt wurde, kann man nicht eindeutig auf ein bestimmtes Datum zurückgreifen, konnte aber durch die Nennung mehrerer Personen die Zeit auf um 1090 eingrenzen. Graf Berthold von Staufenberg schenkte dem Kloster Hirsau seinen Anteil am Kirchensatz sowie Grundbesitz zu „acchara“ – Achern. Mit dieser Erstnennung fing Achern natürlich nicht an zu bestehen.
Als die Römer um 70 n.Chr. mit dem Bau strategischer Straßen in der Ortenau begannen, führte eine dieser Neubaumaßnahmen in Nord-Süd-Richtung von Baden-Baden nach Straßburg durch das heutige Achern, was entsprechende Funde belegen – neben Straßenpflaster stieß man auch auf Fundamente eines ausgedehnten römischen Gutshofes (in der Nähe des heutigen Friedhofes) und auf Teile einer Fußbodenheizung.
Um bei den ältesten Zeugnissen der Stadt zu bleiben, sei hier die Nikolaus-Kapelle, im Volksmund „Klauskirchl“ genannt, erwähnt. Sie steht heute in zentraler Lage an der Bundesstraße 3 nahe der Acherbrücke. Die Erstnennung in einer Urkunde erfolgte zwar erst 1318, doch neueren Untersuchungen nach dürfte der erste Kapellenbau bereits im 8. Jahrhundert erfolgt sein. Der älteste Bauabschnitt des heute noch zu sehenden Mauerwerkes fällt in die Zeit nach 1100. Dieser romanische Bau wurde in gotischer Zeit verändert – man setzt um 1270 für diesen Umbau an. Weitere Umbauten folgten. Die nahegelegene Acher trat in früheren Zeiten oft über die Ufer und dabei rissen Wassermassen Brücken und Stege weg und beschädigten die meist leicht gebauten Häuser. Von solch unheilvollen Überschwemmungen war Achern unter anderem in den Jahren 1570, 1716, 1778, 1824, 1939 und zur Jahreswende 1947/48 heimgesucht worden. So verwundert es nicht, dass als Schutzheiliger der Heilige Nikolaus, Bischof von Myra, gewählt wurde.
1601 wurde die Kapelle durch ein Erdbeben zum großen Teil zerstört und danach wieder aufgebaut. Zweifelhaft bleibt, ob 1675 die Eingeweide des französischen Marschalls Turenne, der in der Schlacht bei Sasbach gegen den kaiserlichen General Montecuccoli gefallen war, wirklich hier für eine kurze Zeit aufbewahrt wurden. Funde bestätigten diese Überlieferung nie. Die gewölbte Decke enstand 1779 anstelle der flachen Holzdecke; die äußeren Strebepfeiler lassen erkennen, dass schon ursprünglich ein Kreuzgewölbe eingeplant war. Bis zum josephinischen Einstellungsbeschluss 1788 fanden hier Gottesdienste statt, doch auch danach blieb die Kapelle als Stätte des Gebets von der Bevölkerung stets geschätzt. 1974 wurde sie nach gründlicher Renovierung benediziert.
Ursprung der kath. Pfarrei ist die ehemalige Kirche St. Johannes in Oberachern, die im Jahre 1306 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der 1452 als Vorgängerbau errichteten Liebfrauenkapelle wurden erst während der Reformation 1535 die Pfarrechte von der „Mutterpfarrei“ St. Johannes übertragen. Bis zum Neubau 1824, für den Baumaterialien der Oberacherner Johanneskirche und der Klosterkirche Allerheiligen verwendet wurden, erfolgten eine Reihe weiterer Baumaßnahmen: ein neuer Taufstein (1576), Erhöhung des Kirchturms (1581/82) und Ausstattung mit Turmuhr und Glocken, steil zulaufender Spitzhelm (1604), Abriss und Neubau auf den alten Fundamenten (1608) sowie die Ausbesserung des Kirchturms (1687). Im Turm befinden sich heute sechs Glocken, davon zwei aus den Jahren 1599 bzw. 1751, die übrigen von 1949/50.
Keimzelle für die heutige evangelische Kirchengemeinde war die Gründung der Großherzoglich Badischen Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Am 11.12.1842 wurde hier der erste ev. Gottesdienst von Anstaltspfarrer Ernst Friedrich Fink gehalten. 1843 wurde die Kirche für den ev. Gottesdienst, 1844 nach katholischem Ritus geweiht. Im Jahr 1892 kam es zur Schaffung einer eigenen ev. „Stadt-Gemeinde“ neben der „Illenau-Gemeinde“, was schließlich am 03.05.1908 zur Grundsteinlegung und ein Jahr später, am 12.09.1909, zur Einweihung der im neoromanischen Stil erbauten Christuskirche führte (Baupläne von Baurat Burkhardt, ev. Kirchenbauinspektion in Karlsruhe). Zwei Glocken wurden vom Direktor der Glashütte, Dr. Severin, gestiftet, die dritte von Großherzog Friedrich II. von Baden. Erster Pfarrer war von 1909 bis 1924 Karl Spitzer, der zuvor als Vikar in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau tätig war.
Im 13. Jh. erhielt Achern den Sitz des Gerichtes Achern mit dem Nebengericht Ottersweier – so teilte Achern immer auch das Schicksal der Reichslandvogtei Ortenau. 1351 fiel Achern unter bischöflich-straßburgische Herrschaft. 1405 musste der Straßburger Bischof aufgrund seiner finanziellen Situation einen Teil der Reichslandvogtei Ortenau an den damaligen König Ruprecht, einen Pfalzgrafen, verkaufen. Damit herrschten die Pfalzgrafen bei Rhein und die Bischöfe von Straßburg gemeinsam über den Gerichtsbezirk Achern und die Untertanen mussten zwei Landesherren huldigen.
Aus dieser Zeit stammt auch das älteste belegte Siegel des Gerichtes Achern (1415) – es zeigt einen Krummstab (wegen des Bistums Straßburg) und einen halben Adler (wegen der dem Bistum verpfändeten Kaiserlichen Landvogtei Ortenau). Der halbe Adler ist bis heute im Wappen der Stadt verblieben.
1504 entzog König Maximilian I. nach dem bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieg Pfalzgraf Ruprecht seinen hälftigen Anteil an der Ortenau und übertrug ihn seinem Parteigänger Graf Wolfgang von Fürstenberg. Dieser Teil wurde 1551 durch den Habsburger König Ferdinand I. eingelöst. Die Straßburger Bischöfe konnten ihre Hälfte an der Ortenau noch bis 1557 halten, erhielten dann aber 2.000 Gulden von König Ferdinand I. und entbanden daraufhin die Ortenauer Untertanen von ihren Pflichten an die Straßburger Bischöfe. Für die neuen „Reichs-Untertanen“ gab es dafür zwei Mal Wein – ein Mal für den Abgang der Fürstenberger sowie zum Einstand in die unmittelbare Verwaltung des Reiches (zwei Mal zwischen 750 und 950 Liter Wein). Da zu diesen Zeiten die Habsburger die deutschen Könige und Kaiser stellten, gehörte Achern zu Vorderösterreich und zwar bis zum Jahr 1701.
Die Reichslandvogtei Ortenau, und damit Achern, wurde in der Zeitspanne 1701 bis 1771 der Markgrafschaft Baden zugesprochen; der damalige Markgraf Ludwig von Baden (Türkenlouis) erhielt die Ortenau bei seiner Ernennung zum obersten Befehlshaber der Rheinarmee im Spanischen Erbfolgekrieg als Lehen zugesprochen. Doch als 1771 die Baden-Badener Linie der Markgrafen von Baden ausstarb fiel Achern wieder an die Habsburger und damit an Vorderösterreich. Mit der Neuordnung des Deutschen Reiches fiel 1805 Achern an das Großherzogtum Baden. Das Landgericht blieb als Oberamt und ab 1807 als Bezirksamt Achern bestehen – bis es 1924 dem Bezirksamt Bühl zugeteilt wurde.
Am 14.06.1808 erhielt Achern von Großherzog Karl Friedrich von Baden die Stadtrchte verliehen und zwar „in Rücksicht auf dessen ansehnliche Bevölkerung, den Gewerbefleiß und die Betriebsamkeit seiner Einwohner, sowie mit Rücksicht auf die demselben schon zustehenden Marktgerechtsamen und den dahin bestimmten Oberamtssitz.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Mai/Juni 1945 die Landesverwaltungen für Baden gebildet. Achern, als Teil der französischen Besatzungszone, blieb zunächst noch rein badisch.
In Südwestdeutschland stand die Neugliederungsfrage im Vordergrund des politischen Lebens. Am 15.09.1946 fanden Kommunalwahlen für (Süd-)Baden statt. Entscheidend war dann aber die Volksabstimmung über einen Südweststaat am 09.12.1951. Zwar votierten 62 % der Südbadener für das alte Land Baden, doch die übrigen Landesteile (Nordwürttemberg, Nordbaden und Südwürttemberg-Hohenzollern) entschieden sich mit 69,7 % für die Bildung des neuen Südweststaates. Nun waren die Weichen gestellt für die Wahl der Verfassunggebenden Landesversammlung Baden-Württemberg am 09.03.1952, die am 11.11.1953 in der Verabschiedung der Verfassung für Baden-Württemberg gipfelte. Nachdem der Volksentscheid zum Fortbestehen des Bundeslandes Baden-Württemberg am 07.06.1970 dieses bestätigte, war der Weg frei für die kommende Kreisreform.
Am 01.01.1973 wurde der neue Ortenaukreis gebildet. Acht der umliegenden Gemeinden (Fautenbach, Gamshurst, Großweier, Mösbach, Oberachern (bereits seit 01.01.1971 eingemeindet), Önsbach, Sasbachried und Wagshurst) gaben ihre Selbständigkeit auf und vereinigten sich mit der Stadt Achern. Am 01.01.1974 wurde die Stadt Achern zur Großen Kreisstadt erklärt.
Die Kriege der Neuzeit setzten Achern sehr zu – wie der Bauernkrieg 1525, der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 oder die späteren Türkenkriege. Unsägliche Heeresdurchmärsche und zu erbringende Leistungen oder Lebensmittellieferungen beeinträchtigten das Leben sehr. Beispielsweise musste Achern während des Dreißigjährigen Krieges 1622 zum Teil täglich 6.000 Brote in umliegende Heereslager liefern und soll nach einem Brand im Jahr 1637 sogar 11 Jahre lang unbewohnbar gewesen sein. Als 1789 revolutionäre Umtriebe von Frankreich auch in den Acherner Raum schwappten, konnte die vorderösterreichische Regierung in Wien gerade noch besänftigt werden: diese wollte schon 6.000 Mann in die Ortenau beordern, nachdem ein Protestzug von 2.000-3.000 Mann von Achern aus in Richtung Offenburg losgezogen war. Einem Vermittler gelang es jedoch, die Gemüter zu beruhigen, so dass sich der Protestzug auflöste.

Die 1842 eingeweihte Heil- und Pflegeanstalt Illenau entwickelte sich als eigentlicher Wirtschaftsmagnet für die Stadt Achern. Dem ersten Anstaltsleiter Christian Roller und damit der ganzen Anstalt gelang es, aufgrund einer völlig neuen Konzeption der Unterbringung psychisch Kranker zum Mittelpunkt damaliger Behandlungsmethoden zu werden. Das sollte der Heil- und Pflegeanstalt Illenau nicht nur viele wohlhabende, sondern auch ausländische Patienten bescheren (um die Jahrhundertwende waren um 650 Patienten die Regel). Beispielhaft sei hier, wegen seines Bekanntheitsgrades als Kinderbuchautor, die Verbindung zwischen Roller und dem Verfasser des Struwwelpeter, Dr. Heinrich Hoffmann, erwähnt. Hoffmann, wie Roller Psychiater, folgte bei seiner Anstaltsgründung in Frankfurt getreulich dem architektonischen Vorbild der Illenau. Fast im gesamten 19. Jh. mit seinem häufigen Wechsel von Behandlungsarten und zahlreichen Anstaltsneugründungen gab es einen lebhaften psychiatrischen „Anstaltstourismus“ und die Illenau war von Anfang an ein absolutes „Muss“.
Mit ihren Betrieben (Wäscherei, Bäckerei, Küche, landwirtschaftliche Betriebe) stellte die Illenau einen nicht zu unterschätzenden Arbeitgeber dar. Die Einwohnerzahl Acherns wurde auch durch den Zuzug von Ärzten, Beamten und Angestellten deutlich erhöht.
Als Heil- und Pflegeanstalt bestand die Illenau bis zum Jahr 1940 – die Euthanasiemaßnahmen der Nationalsozialisten machten auch hier nicht Halt. Ein Teil der Patienten wurde in die Heil- und Pflegeanstalt nach Emmendingen verbracht, andere wurden mit den „grauen Bussen“ nach Grafeneck gefahren und fanden in den dortigen Gaskammern den Tod. Im Oktober 1940 wurde eine Reichsschule für Volksdeutsche in der Illenau eingerichtet, insbesondere für Mädchen aus Südtirol, deren Eltern sich zum Deutschtum bekannten. Eine sog. „NPEA“, also eine NS-Eliteschule, auch "Napola" genannt, wurde im Frühjahr 1941 für Mädchen eröffnet. Sie bestand bis zum Frühjahr 1943. Anschließend wurde im Herbst eine „Napola“ für Jungen gegründet, die bis zum Kriegsende mit etwa 100 Schülern Bestand hatte.
Von 1942 bis 1943 waren knapp 50 Mädchen, die von Polen aus über den Verein "Lebensborn" verschleppt wurden, weil sie „arischen“ Merkmalen entsprachen und hier „germanisiert“ werden sollten, ebenfalls in der Illenau untergebracht. Vier Mädchen wurden in das berüchtigte Lager von Litzmannstadt gebracht, wo sie vermutlich den Tod fanden, einige wurden in deutsche Pflegefamilien vermittelt und einige konnten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Polen zurückkehren. Nach dem Einmarsch der Franzosen 1945 wies die französische Besatzungsmacht polnischen und russischen Kriegsgefangenen die Illenau als Unterkunft zu. Von dieser Zeit an wurde der gesamte Komplex bis zum Jahr 1994 durch französische Streitkräfte genutzt (am 29.04.1999 wurde das französische Militär, das zuletzt in der Heid stationiert war, offiziell durch die Stadt Achern verabschiedet). Nach einigen Jahren des Stillstandes und darauffolgenden Umbaumaßnahmen konnten 2008 die ersten Privatpersonen einen Teil des ehemaligen Anstaltsgebäudes als Wohnraum nutzen. Bis zum Ende des Jahres 2009 sollen die Mitarbeiter des Bauamtes ihr neues „Technisches Rathaus“ in der Illenau beziehen.
Einen eigenen Eisenbahnanschluss erhielt Achern bereits 1844, als die Linie Baden-Baden - Offenburg eröffnet wurde.
Weite Teile der Bevölkerung waren in der Landwirtschaft tätig und damit von den Missernten der 1840er Jahre besonders betroffen. Weswegen in unserem Raum die revolutionären Umtriebe der 1848er Jahre besonders fruchteten. Am 2. April 1848 fand im Acherner Gasthaus „zur Hoffnung“ eine Volksversammlung statt, die richtungsweisend für die gesamte badische Revolution wurde.
Bereits 1877 gründete Achern eine Höhere Bürgerschule, im benachbarten Bezirksamt Bühl gelang dies erst 1893.
Aus den „Bauernrennen“ des 1880 gegründeten Rennvereins entwickelte sich ein richtiger Rennbetrieb. Über das Gelände des heutigen Überlandwerkes hinaus befanden sich die Rennwiesen. Zu Zeiten vor dem Ersten Weltkrieg reisten auch Straßburger Offiziere in ihren schmucken Uniformen an und nahmen als sog. Herrenreiter teil. Tage vor dem Rennen waren Pferde und Reiter Stadtgespräch – die Zuschauer kamen aus einem weiten Umfeld, bis hin zu den Rheindörfern. Selbst außerhalb Badens war in Sportkreisen das Acherner Pferderennen Ende Juni ein Begriff.
Durch den günstig gelegenen Eisenbahnanschluss kam es in den Folgejahren zu Industrieansiedlungen. Hier ist vor allem die heute noch bestehende Glashütte zu nennen.
Georg Boehringer begann im Februar 1886 mit den Bauarbeiten und am 21. September 1886 wurde die erste Flasche geblasen – eine Champagnerflasche – die Fabrik hieß damals „Champagnerflaschenfabrik Achern“ – und zählt damit zu den ältesten Glashütten im süddeutschen Raum.
Als ein Jahr später (1887) ein zweiter Ofen in Betrieb genommen wurde, zogen aus allen Teilen Deutschlands Glasmacher nach Achern.
In den 1890er Jahren war ein dritter Ofen errichtet worden und es wurden Bier-, Wein- und Wasserflaschen hergestellt.
1900 begann die maschinelle Fabrikation leichter Flaschen auf den neuen Automaten (weltweit das erste Modell), während die Champagnerflaschen weiterhin im Mundblasverfahren hergestellt wurden.
1852 gründete der Franzose Jaques Kadé die Sensenwerke Achern. Eine mit Wasserkraft angetriebene Ölmühle diente als Fabrik für Sensen, Sicheln Baumsägen, Schaufeln u.ä.. 1883 übernahmen zwei jüdische Geschäftsleute aus Bühl die Firma. Um die Jahrhundertwende lag die gesamte Fabrikation bei einer Kapazität von etwa 125.000 Sensen. Bis in das Jahr 1933 konnten die jüdischen Besitzer die Leistungsfähigkeit der Sensenwerke auch durch große Exportgeschäfte nach Übersee ausbauen, wurden allerdings 1938 durch die Nationalsozialisten gezwungen, das Unternehmen zu veräußern. Die Fabrikgebäude erwarb Franz John, die Grundstücke gingen an die Stadt Achern über.
„Schön ist ein Zylinderhut, wenn man ihn besitzen tut.“
In Achern besteht eine mehr als 150jährige Tradition der Hutmacher und sie ist damit heute eine von mittlerweile nur noch fünf oder sechs Städten Deutschlands, in denen wie bei der Firma Sutterer Filzhüte oder bei der Firma ALEISA Zylinderhüte (Chapeau Claques) hergestellt werden.
In Achern werden nachweislich seit 1845 Hüte produziert. „Modist“ Franz Josef Kraemer stellte zunächst Strohhüte her, die er per Handkarren nach Baden-Baden zum Verkauf brachte. Sein Sohn erlernte in Straßburg die Herstellung von Seidenzylindern, vertiefte seine Kenntnisse in Paris und London und wanderte schließlich nach Amerika aus. 1869 kehrte er zurück und gründete in Achern eine Seidenhutfabrikation – bis 1900 war das Unternehmen das zweitgrößte seiner Art in Deutschland; die in Achern hergestellten Hüte wurden in ganz Europa vertrieben.
1905 gründete Albert Eisele in Achern („ALEISA“) eine Klappzylinderfabrik („Chapeau Claque“), damals die fünfte im Acherner Raum.
Sein Nachfolger Roman Pedrotti fertigte 1994 für einen Japaner einen rekordverdächtigen 80 cm hohen Zylinder an, der bei einer Mitternachts-Show zum Einsatz kam; allerdings war dies kein Klappzylinder, da die Mechanik auf eine solche Länge nicht einzuarbeiten war.
Der Betrieb wird heute von Meinrad Jülg (ALEISA Albert Eisele Hutfabrik Achern e.K. Meinrad Jülg) weitergeführt und ist weltweit der einzige Betrieb, der Zylinder nach dem ursprünglichen Verfahren herstellt. Ob Zauberer, Butler, Schauspieler, Turnierreiter oder Adlige - der Bedarf an Zylindern ist auch heute noch vorhanden und so wird Meinrad Jülg in Zukunft die Arbeit nicht ausgehen...
Eine weitere Rarität stellt die oben erwähnte Firma „Hut Sutterer“ (seit 1925) dar, die jedes Jahr neue Hut-Kollektionen kreiert. Hutfachgeschäfte, aber auch Theater und das Fernsehen zählen zu den Kunden. Einen Namen machte sich die Firma in den vergangenen Jahren auf dem Sektor der historischen Hüte: Ganz gleich ob Musketier-, Trachtenhut, Heinrich Hansjakob- oder Heckerhut, Bürger-Tschako oder Napoleon-Zweispitz, es gibt keine Hutform, die Sutterer nicht herstellen könnte.
Einen herben Rückschlag erlitt die Stadt durch die Luftangriffe des 07.01.1945. Über 60 Bürger fanden den Tod, als die gesamte Innenstadt durch Spreng- und Brandbomben zerstört wurde. 108 Gebäude wurden total zerstört, 69 schwer und 315 leicht beschädigt. Die Nachkriegsjahre waren gekennzeichnet von den Aufräumungsarbeiten und einem allmählichen Wiederaufbau der Stadt.
Bei der Stadterhebung 1808 zählte Achern 1.300 Einwohner. Diese Zahl verdoppelte sich bis 1849 auf 2.533 Einwohner und verdreifachte sich bis 1900 auf 3.962 Bürger. Erste Einwohnerzahlen stammen aus dem 16. Jahrhundert: Zu Zeiten der Bauernkriege 1525 lebten hier 600 Menschen.
- 1689
77 Bürger (1637 war Achern fast komplett niedergebrannt worden und soll 11 Jahre unbewohnt gewesen sein)
- 1776
200 Familien (entspricht dem damaligen Kinderreichtum von ca. 800 bis 1.000 Einwohnern)
- 1812
1.386 Einwohner
- 1855
2.571 Bürger (inklusive der Patienten und Ärzte der Illenau)
- 1905
4.600 Einwohner
- 1925
5.335 Einwohner
- 1939
5.500 Einwohner
- 1946
4.492 Einwohner
- 1956
5.940 Einwohner
- 1966
7.400 Einwohner
Wer sich intensiver mit der Geschichte Acherns beschäftigen möchte, kann sein Wissen bei den folgenden Publikationen erweitern:
- Jehle, Edmund: Achern. Gesammelte Aufsätze. (Bezug über Sensen- und Heimatmuseum)
- Lötsch, Gerhard:
- Christian Roller und Ernst Fink. Die Anfänge von Illenau. Achern 1996
- „Bis dass die Freiheit aufersteht“. Vormärz und Revolution in Stadt und Amt Achern. Achern 1998
- Von der Menschenwürde zum Lebensunwert. Die Geschichte der Illenau von 1842 bis 1940. Kappelrodeck 2000
- Krieg und Friede – Achern und das Jahr 1945. Achern 2004
- Achern. Eine Stadt und ihre Geschichte 1849 – 1918. Achern 2005
- Acherner Profile. Achern 2007
- Peter, Friedrich:
- Schicksale. Dokumentation Nationalsozialistischer Gewaltherrschaft für einen regionalbezogenen Unterricht. Realschule Achern 1995
- Stunde Null. 8. Mai 1945. Realschule Achern 1995
- Achern 1848/49. Ein Leseheft zur Badischen Revolution. Realschule Achern 1998
- Fürstendenkmal in einem Revolutionsnest (Leopoldsdenkmal)
- Die „Quickbornerinnen“. Die katholische Mädchengruppe der Stadt Achern und ihr Protestverhalten gegen die Bestimmungen der Nationalsozialisten. Ein Rückblick.
- Zeitenwechsel (NS-Zeit in Achern). Realschule Achern 2003
- Pillin, Hans-Martin: Achern. Eine Stadt und ihre Geschichte. Achern 1997
- Ruppert, Philipp: Kurze Geschichte der Stadt Achern, Achern 1880 (Reprint 1991)
- Stadtarchiv Achern: Acherner Rückblicke
- Nr. 1/2001:
- Kirchengeschichte
- Hänferordnung 1578
- Christian Roller, der Sohn
- Bürgermeister Richard Kraemer 1933-1945
- Radfahrverein Önsbach
- Register zu Beiträgen über Achern und die Ortsteile in „Die Ortenau“
- Nr. 2/2002:
- Otto Hörth und seine „Bilder aus Acherns Vergangenheit“
- Die Hornisgrinde
- Bert Brecht und seine Beziehungen zu Achern
- Oberacherner Antoniusjubiläum 1931
- Die Illenau im 2. Weltkrieg
- Böller-Schießen
- Von Tansania nach Oberachern – Briefe des Benediktiner-Paters Bumberger an Oberlehrer Glaser
- Nr. 3/2004:
- Der Ursprung der Acher (Nord-Schwarzwald) auf der Basis historischer Recherchen sowie der Genese des Ruhesteins
- Ein Acherner im Elsaß. Die glänzende Karriere des Franz Ignaz Derendinger in Hagenau
- Der Önsbacher Kreuzweg
- Der Staat vor Ort – Das Bezirksamt Achern (1807 – 1924). Vom Ortenauer Vogteigericht zum badischen Bezirksamt
- Leben in Achern. Aus Beschreibungen, Erinnerungen und Berichten der letzten 200 Jahre
- Illenau und die Fürstin Barjatynskij
- Weltlicher Chorgesang in Achern. Teil I (1839 – 1934): Liederkranz, Fidelia, Liedertafel
- Aller Anfang ist schwer: Gründung und erste Jahre des Acherner Sensenwerks im 19. Jh.
- Emil Sauer (1883-1972). Stadtrechner und spiritus rector des Acherner Musiklebens
- Nr. 4/2008:
- Das Acherner Klauskirchl, die „Sühne“-Kreuze und das Starkbeben von 1601. Älteste keltisch-gälische Zeugnisse der nördlichen Ortenau.
- Zimmermann erstach Waldknecht - Vor 500 Jahren sorgte eine Bluttat für Aufsehen in Großweier
- Achern zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die Stadtrechtsverleihung im Jahr 1808
- „Im Zeichen von Doppeladler und Greif“ – Der Übergang des Gerichtes Achern und der Landvogtei Ortenau an Baden 1805/06
- Die Posthalterei im Gasthof „zur Krone“ in Achern
- Dr. Christian Friedrich Wilhelm Roller
- Die Weinhandlung Adolf Huber in Achern 1867-1977
- Denkmal, Denkmal, du musst wandern ... Vom Schicksal der Acherner Denkmäler
- Geschichte der evangelischen Gemeinde Achern
- Wilhelm Schmitthenner (1870-1951) – Pastorationsgeistlicher in Achern 1899-1903
- Grossweier: Blicke in die Geschichte eines Dorfes
- Vogt, Reiner: 1799. Die Verteidigung der nördlichen Ortenau während des 2. Koalitionskrieges (1799-1802). Achern 2000
Desweiteren sind zahlreiche Chroniken der einzelnen Ortsteile erschienen, so dass auch hier nach Herzenslust gestöbert werdern kann.